Geh-Schichten aus dem Archiv

Von Sarnen nach Saigon

Hans Imfeld, der in diesem Haus geboren wurde, stammte aus einer Familie mit langer Tradition im Soldwesen. Mit gerade 20 Jahren wanderte er nach Frankreich aus, besuchte dort die Offiziersschule und gelangte schliesslich über Stationen in Tunesien und Syrien als Berufsoffizier in die französische Kolonie Indochina (heute Laos, Kambodscha und Vietnam). Während des zweiten Weltkrieges stellte er sich gegen das Vichy-Regime und kämpfte an der Spitze einer Guerillatruppe gegen die japanische Besetzung Indochinas. Aus dieser Zeit stammen auch seine im Staatsarchiv aufbewahrten Tage- und Notizbücher, in denen er verschlüsselt seine Aktivitäten als Guerillakämpfer beschreibt, einfache Karten zeichnet und militärisches Equipment skizziert. In seinen Tagebüchern träumt Imfeld von einem siegreichen Einzug in Hanoi und Saigon, "als Held, dem grosse Begeisterung vom befreiten Volk entgegen gebracht wird". Die Legitimität der Kolonialmacht Frankreichs stellte er aber nicht in Frage, sondern übernahm vielmehr nach dem Krieg zeitweise das Amt des französischen Zivil- und Militärgouverneurs in Laos und kämpfte in Vietnam gegen die Unabhängigkeitsbestrebungen der Việt Minh. 1947 wurde er in Saigon im Auftrag der Việt Minh ermordet.

Quelle

Staatsarchiv Obwalden

P.0109: Nachlass Hans Imfeld, P.0109.03-P.0109.04: Tagebücher und Notizhefte

Weitere Informationen

  • Karl W. Imfeld, Hans Imfeld. In: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS).

  • Carlo von Ah: Durch Dschungel und Intrigen. Ein Innerschweizer in Indochinas Kriegswirren, Alpnach 2013.

  • Stefan Siegerist: Schweizer im fernen Osten. Viele Loyalitäten, eine Identität, München 2011, S. 286-290.