Geh-Schichten aus dem Archiv

Als der Landammann noch Ritter war

1583 erfährt Marquard Imfeld aus einem Schreiben seines Schwagers, dass es ein Problem mit der erwarteten Pensionszahlung von 300'000 Gold-Kronen durch den französischen König gibt. Marquard Imfeld amtet zu dieser Zeit zum vierten Mal als Landammann, nachdem er schon eine ganze Reihe von Ämtern und Gesandtschaften besetzt hat. «Hauptberuflich» ist Imfeld Militärunternehmer. Er stellt dem französischen König Söldner gegen Bezahlung zur Verfügung. Das Geschäftsmodell ist kapitalintensiv. Imfeld muss seine Kompanie mit eigenen Mitteln rekrutieren, ausstatten und besolden und wird für seine Dienstleistungen erst im Nachhinein bezahlt.

Lokal, innerhalb der Eidgenossenschaft und weit darüber hinaus ist Imfeld breit vernetzt. Er trägt den Rittertitel und lässt sich standesgemäss darstellen, wie auf einer Wappenscheibe von 1583 schön sichtbar ist. Im Umgang mit dem französischen Hof ist ein aristokratischer Auftritt wichtig. Zum quasi-adligen Status gehört auch der stattliche Wohnsitz im Haus am Grund, das er herrschaftlich ausbauen lässt. Sein Sohn verziert später den Dachsaal im Haus am Grund mit höfischen Malereien und malt den Stammbaum in adliger Manier an die Wand.

Wie die Wirz und von Flüh in Obwalden, die Zurlauben in Zug oder die Reding in Schwyz pflegen die Imfeld eine Familiendynastie. Hohe staatliche Ämter und das Militärunternehmen werden quasi in der Familie vererbt und mit Heiratsverbindungen zu anderen Herrschaftsfamilien zementiert. Auch die erwähnten Pensionsgelder – also regelmässige Zahlungen an lokale Eliten, mit denen sich Fürsten politischen Einfluss und Zugang zu eidgenössischen Söldnern sicherten – spielen dabei eine wichtige Rolle.

Wie das Problem mit den fehlenden französischen Pensionsgeldern 1583 schliesslich gelöst wurde, lässt das Schreiben leider offen. Pensionsgelder beeinflussten die lokale Politik aber namentlich in der Innerschweiz bis weit ins 18. Jahrhundert hinein.

Estrichsaal im Haus am Grund mit ritterlicher Ausschmückung
Estrichsaal im Haus am Grund mit ritterlicher Ausschmückung
Briefumschlag mit Faltspuren 1583
Briefumschlag mit Faltspuren 1583
Wappenscheibe mit Ritter Marquard Imfeld
Wappenscheibe mit Ritter Marquard Imfeld

Quelle

Staatsarchiv Obwalden

A.03.3.3: Brief an Marquard Imfeld, Landammann, 1583

Weitere Informationen

  • Karl Imfeld: Die Imfeld von Obwalden. In: Obwaldner Geschichtsblätter 21, 1997. S. 169-559
  • Niklaus von Flüe: Imfeld. In: Historisches Lexikon der Schweiz HLS. Weiterer Artikel zu Marquard Imfeld.
  • Roland Sigrist: Die Sitte der Fenster- und Wappenschenkung in Obwalden. In: Kultur- und Denkmalpflege in Obwalden 2014-2015, Jahresheft 9, 2016, S. 66-103; Thomas Hurschler, Eva Schäfer, Roland Sigrist: Sarnen, Haus am Grund, Estrichsaal. Ebend S. 142-149.