Geh-Schichten aus dem Archiv

(K)ein Sommernachtstraum im Kino Seefeld

1947 wurde das Kino Seefeld als erstes Kino in Sarnen eröffnet. Schon vor der Eröffnung hatten kritische Stimmen im Gemeinderat darauf gepocht, dass in Obwalden nur "einwandfreie Filme" gezeigt werden sollten, die "unserer Religion, der Wahrung guter Sitten und der Heiligkeit der Ehe Rechnung tragen". Man befürchtete insbesondere einen schädlichen Einfluss des Kinos auf die Obwaldner Jugend. Als Folge wurde in Sarnen eine eigene Filmzensurkommission eingerichtet, die das Programm des Kinos bis in die 1970er-Jahre bewerten liess und kontroverse Filme einer Vorzensur unterzog. Filme, die aus Sicht der Kommission problematisch waren, wurden verboten oder nur für Erwachsene zugelassen. In manchen Fällen begnügte man sich auch damit, einzelne Szenen herauszuschneiden – wie etwa im Falle des hier gezeigten Films "Liebe einer Sommernacht". Im Nachlass Josef Seilers, der das Kino Seefeld mitbegründete und über viele Jahre führte, finden sich nicht nur die Einschätzungen der Filmzensurkommission, sondern auch manche dieser herausgeschnittenen Szenen. Sie geben uns Einblicke in die Geschichte des Kinos und darin, wie sich Vorstellungen von "Sittlichkeit" im Verlaufe des 20. Jahrhunderts veränderten.

Quelle


Staatsarchiv Obwalden

P.0163.09.07: Filmzensur im Kino Seefeld


Weitere Informationen

Martin Eberli: Gefährliche Filme – gefährliche Zensur? Filmzensur im Kanton Luzern im Vergleich mit den Filmkontrollen der Kantone Zürich und Waadt, Basel 2012.