Geh-Schichten aus dem Archiv

Von Sarner Hüten und Obwaldner Pionieren

Als die Georges Meyer & Co. AG aus Wohlen um 1890 in Sarnen eine Strohhutfabrik bauen wollte, stiess sie auf den Widerstand der Regierung: Landammman Omlin duldete keine Fabriken in Obwalden, denn dies bringe nur fremdes Volk. Um 1910 wurde die Hutfabrik dann trotzdem gebaut. Die Georges Meyer & Co. AG gehörte damit zu den Industriepionieren im Sarneraatal. Und die Fabrik lief gut: 1928 folgte ein Erweiterungsbau an der Marktstrasse und in der zweiten Hälfte der 1930er Jahre erreichte die Hutfabrik ihre Blütezeit. 1937 wurden in Sarnen über 260 Mitarbeitende beschäftigt. Der Obwaldner Volkfreund schrieb damals: "Dieser rekordmässige Beschäftigungsgrad wirkt sich in unserem krisenbedrohten Land als ein Segen aus." Der zweite Weltkrieg, aber vor allem auch die sich ändernde Mode, führten in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts zum langsamen Niedergang der Hutfabrik. 1974 schloss ein für ganz Obwalden wichtiger Arbeitgeber still und leise seine Tore. Was bleibt ist der Name "Hüetli".  

Im Rahmen der Restaurierung des 1928 erstellten Fabrikbaus wurde dem Staatsarchiv ein Film aus dem Familienarchiv der Erben des Fabrikanten Meyer abgeliefert. Der Film zeigt den Bau des Gebäudes. Im Eingang des Gebäudes sind auch heute noch eine originale Webmaschine, Strohhüte und ein grossformatiges Bild aus der Blütezeit der Fabrik ausgestellt. Diese können zu Bürozeiten besichtigt werden.

Quelle


Staatsarchiv Obwalden

S.07.01.009 (08): Sarnen, Fabrikneubau Strohhutfabrik Georges Meyer & Cie. an der Marktstrasse, "Hüetli"


Weitere Informationen

  • Albert Rohrer: Die Handflechterei und Strohhutknüpferei im Kanton Obwalden. In: Obwaldner Brattig 1976, S. 50 ff.

  • Obwaldner Volksfreund, 23. Januar 1937.